Das Meer ist Zeitverschwendung

Kurzgeschichte: Emma findet, das Meer ist Zeitverschwendung. Kinder auch.

Emma war verblüfft über die Weiten des Meeres, sie hätte nie gedacht, dass sie der Anblick so dermaßen langweilen würde.

Kurzgeschichte: Emma findet, das Meer ist Zeitverschwendung. Kinder auch.

Wie sehr hatte sie sich auf diesen Urlaub gefreut. Der erste seit Jahren. Besonders erholsam, unterhaltsam und öffentlichkeitswirksam sollte er sein. Ihnen würde sie es mit diesem perfekten Urlaub schon zeigen. Den ganzen Zweiflern, Nörglern und Ausflüglern.

Fuhren jedes Wochenende an einen anderen Badesee. Besuchten Konzerte. Veranstalteten Grillabende. Aber immer ohne sie. Immer ohne Emma.

Immer.

Nie lud sie jemand ein. Sie hätte ja sowieso keine Zeit, hieß es dann. Immer würde sie arbeiten. Pfff. Als ob 60 Stunden die Woche immer wären. 168 Stunden hatte eine Woche, da blieben über 100 Stunden übrig! Selbst mit 10 Stunden Schlaf am Tag (und wer brauchte schon mehr als 5 Stunden, mal ehrlich?!) hatte sie noch 38 Stunden zur freien Verfügung.

Freunde waren das nicht, die sie nicht mehr einluden, weil sie “keine Zeit” hatte. Mangelnde Kritikfähigkeit war deren Problem. Sie konnte nun wirklich nichts dafür, dass sie allesamt Versager waren. Arbeiteten nur 35 Stunden die Woche und faselten was von “Work-Life-Balance”. Einige hatten doch jetzt tatsächlich Kinder. Kinder!

Das musste man sich mal vorstellen. Kinder!

Sinnloser ging es nun wirklich nicht. Mehr Zeitverschwendung konnte man sich nicht anschaffen.

Die saßen wahrscheinlich auch gerne am Meer. Guckten sich die Wellen an. Spürten den Wind im Gesicht. Lauschten den Möwen.

Emma wusste wirklich nicht, wann ihr das letzte Mal so langweilig war. Noch ein paar Fotos für Facebook machen und dann zurück ins Hotel. Hoffentlich war das W-Lan jetzt endlich stabil. Dann konnte sie wenigstens noch etwas arbeiten. Musste ja keiner erfahren, dass sie diese Zeitverschwendung nicht aushielt.


Writing Friday 2020

Dies ist ein Text für den Writing Friday August 2020. Vorgegeben war der erste Satzanfang.

Wie gefällt euch “meine” Emma?