Privatsphäre in Social Media

Die eigene Privatsphäre in Social Media kann man schützen. Es ist einfach. Wichtiger ist dabei fast noch: Die Privatsphäre von anderen MUSS man schützen.

In meinem Beitrag über die Privatsphäre als BloggerIn habe ich einen Aspekt ganz bewusst ausgeklammert: Social Media

Zwar gehört die Präsenz in den sozialen Netzwerken für die meisten BloggerInnen dazu und man sollte immer das Gesamtbild im Auge behalten, wenn man sich ein Stück Privatsphäre erhalten möchte, allerdings werden Facebook, Twitter und Co. nicht nur von Blog-Besitzern genutzt. Sondern viel mehr von Privatpersonen. Und mein subjektiver Eindruck sagt mir: Es sind gerade diese Privatpersonen, die oftmals viel unbedarfter mit Informationen über sich, ihr Leben und das Leben von Freunden und Familie umgehen, als es BloggerInnen tun.

4 Arten von Social-Media-Nutzern

Grob kann man die Nutzer von sozialen Netzwerken in 2 Nutzergruppen einteilen: professionelle Nutzung und private Nutzung. Beide Gruppen lassen sich dann wiederum in 2 Untergruppen aufteilen. Überschneidungen sind dabei jederzeit möglich und natürlich gibt es auch Fälle, die nicht in dieses Schema passen. Aber für den ersten Überblick reicht diese Einteilung meiner Meinung nach.

1. Gruppe: professionelle Nutzer

Als professionelle Nutzergruppe sehe ich alle an, die theoretisch der Impressumspflicht unterliegen. Die Accounts werden dazu genutzt sich selbst, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu bewerben. Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen und die eigene Followerzahl stetig zu erhöhen. Persönliche Kontakte können dabei auch eine Rolle spielen, sind aber eher nebensächlich.

1.1 Influencer

Influencer verkaufen sich: ihren „Lifestyle“ und dadurch Produkte und Dienstleistungen. Für sie ist es entscheidend, möglichst viel Persönlichkeit zu zeigen. Sie müssen ein bestimmtes Image erzeugen und aufrecht erhalten. Nur wenn sie das schaffen, sind sie als Werbeplattform interessant und können ihre Follower als Käufer generieren.

Gefühlt weiß man daher alles über die Person hinter dem Account. Aber: Wie sicher kann man sich sein, dass das Bild der Wahrheit entspricht?

Meiner Meinung nach: Gar nicht.

Ein guter Influencer vermittelt einem Nähe, ohne das man wirklich etwas erfährt. Weder weiß man wie die eigene Wohnsituation im Gesamten aussieht, noch was dieser Mensch eigentlich den ganzen Tag so treibt. Während das Bild vom gemütlichem Sofaabend mit gesponserter Kuscheldecke online geht, sitzt der Influencer selbst vielleicht gerade am Schreibtisch und schreibt Rechnungen. Oder geht mit dem Hund Gassi, den wir noch nie gesehen haben, da er nicht fotogen ist. Wir wissen es nicht. Und werden es nur erfahren, wenn wir es erfahren sollen.

1.2 Werber

In diese Gruppe fallen meiner Meinung nach alle, die mit ihren Accounts irgendetwas oder irgendwen bewerben. Die Trennung zu den Influencern ist nicht ganz scharf, aber irgendwie doch vorhanden. BloggerInnen beispielsweise fallen meist eher in diese Gruppe, denn nur die ganz „Großen“ würde ich zu den Influencern zählen. 

Zwar wird auch hier über die eigene Persönlichkeit Werbung für den Blog gemacht, aber meist „dezenter“. Menschen die Dienstleistungen anbieten, AutorInnen und EinzelunternehmerInnen fallen ebenso in diese Gruppe. 

In den sozialen Netzwerken wird erwartet, das Posts eine persönliche Note haben, ansonsten kann man es auch gleich sein lassen. Aber bei den Werbern steht nicht die Person selbst im Vordergrund, sondern der beworbene Blog etc. Die persönlichen Anekdoten sind nur Zusatz, sollen Blog/Produkt interessanter machen.

Das Gesamtbild/erzeugte Image ist bei den Werbern sehr wichtig: Nur wenn alles zusammen passt und stimmig ist, lassen sich Kunden und/oder Leser generieren durch die Social-Media-Präsenz.

2. Gruppe: private Nutzer

Im Gegensatz zu den professionellen Nutzern wollen Privatpersonen nichts verkaufen. Wenn ihnen die Followerzahl wichtig ist, dann nur als Streicheleinheit für das eigene Ego. 

Eigentlich geht es darum Menschen aus dem Offline-Leben auch online zu treffen. Manche wollen beweisen, dass ihr Leben extrem besser/toller/aufregender ist als das aller anderen, aber die meisten treibt ein ganz simpler Grund in die sozialen Netzwerke: Soziale Neugier und das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit. Mitkriegen, was bei wem los ist und nicht nur von anderen erzählt bekommen, was xy wieder für ein merkwürdiges Bild gepostet hat, sind der Hauptantrieb für einen eigenen Account.

Die persönlichen Kontakt sind erstmal ausschlaggebend. Mit der Zeit kann sich allerdings die Definition von „persönlich“ erheblich erweitern.

2.1 Unbedacht

Die unbedachten Nutzer teilen ihr gesamtes Leben. Und zwar ihr echtes. Anders als die Influencer überlegen sie vorher nicht genau, wann sie was posten. Sie posten einfach. Das Bild vom eigenen Essen. Die Nachricht, wie langweilig ihnen ist. Das Video von der Familienfeier. …

Privatsphäreeinstellungen sind ihnen dabei oft nicht bekannt oder einfach egal: „Was soll schon geschehen. Mit dem was ich teile kann doch keiner was anstellen.

Leider verbreiten sie so oft nicht nur Informationen über sich, sondern auch über alle Personen, mit denen sie Kontakt haben. Da wird fleißig unter Bildern von Witzeseiten kommentiert, wie dusselig der eigene Mann sich beim Wäsche waschen anstellt. Die eigenen Kinder werden unter Sprüchebildern getaggt und das Foto vom Opa der im Sessel schläft auch gleich noch hochgeladen. Ist ja so niedlich, wie ihm fast das Gebiss rausfällt.

Meiner persönlichen Erfahrung nach sind Menschen der unbedachten Fraktion häufig 40 Jahre oder älter. Sie sind nicht mit dem Internet aufgewachsen und unterschätzen die mögliche Verbreitung aller ihrer Posts. Während die jüngere Generation sich meist stark bewusst ist, welches Bild sie im Internet von sich erzeugt (und dies manchmal gerne zur Provokation nutzt), sind es diese Menschen nicht. Sie sind bei Facebook doch nur mit Freunden verbunden, also, was soll schon passieren?

Dabei wird vergessen, dass sie in Wirklichkeit keine 453 Freunde haben. Gerade einmal 200 oder weniger sind echte persönliche Kontakte, der Rest hat sich im Laufe der Zeit durch Spiele angesammelt, in denen man Freunde brauchte, die dieses Spiel auch spielen um weiterzukommen. Und schon sehen wildfremde Menschen das Bild von Opa im Sessel und können damit anfangen, was auch immer sie möchten.

2.2 Durchdacht

Die Untergruppe der durchdachten Nutzer könnte man auch als passive Nutzer bezeichnen. Sie konsumieren die Inhalte der anderen, teilen selbst aber nur höchst selten etwas. Eigentlich existieren ihre Accounts nur, weil es praktisch ist: Bei Facebook wird man zu Partys eingeladen, bei Twitter kann man Nachrichten lesen und durch Instagram weiß man immer, wer gerade im Urlaub ist. 

Ein Bedürfnis sich selbst mitzuteilen gibt es kaum. Mal wird ein besonders schöner Sonnenuntergang gepostet, zu Geburtstagen wird gratuliert und wenn in der Region etwas aufregendes passiert, auch mal ein Artikel der Regionalzeitung geteilt. Diese Nutzer kann man grundsätzlich nicht taggen und einige haben Facebook sogar so eingestellt, dass niemand etwas auf ihre Pinnwand posten kann.

Sie sind dabei, aber nicht mittendrin. Und genau da fühlen sie sich auch wohl.


Wie steht es um deine Privatsphäre?

Wenn du müsstest, wo würdest du dich einordnen? Meine Accounts sind ein Mischmasch aus den Werben und den Durchdachten. Bei Twitter geht es bei mir eher privater zu, als bei Facebook und Instagram. Da neige ich manchmal sogar dazu, in die Gruppe der unbedachten Nutzer zu rutschen. Es haben sich einfach zu viele nette Menschen unter meinen Followern bei Twitter angesammelt, mit denen man sich wunderbar über so vieles austauschen kann. Eine kleine Gefahr für die eigene Privatsphäre, die gefühlt durch das soziale Netz, das sich dort spinnt, aber ausgeglichen wird.

Bewusst handeln

Und wieder sage ich: Wer sein eigenes Leben in der Öffentlichkeit ausbreiten will, der soll das tun. Solange man sich dessen bewusst ist, spricht nichts dagegen. Außer, man veröffentlicht gleichzeitig das Leben von anderen Menschen, die manchmal gar nichts davon wissen (der Opa im Sessel bspw. oder das eigene Kind). 

Die eigene #Privatsphäre kann man schützen. Die von anderen MUSS man achten. Klick um zu Tweeten

Deswegen seit euch beim Teilen von alltäglichen Erlebnissen, Fotos oder Videos immer bewusst, mit wem alles ihr das gerade teilt. Und welche anderen Personen davon noch betroffen sind. 

Die eigene Privatsphäre in Social Media kann man schützen. Es ist einfach. Wichtiger ist dabei fast noch: Die Privatsphäre von anderen MUSS man schützen.

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4 Kommentare
  • Es ist echt gar nicht mal so einfach sich da einzuordnen. Ich blogge selber, mache aber ungerne Werbung. Vielleicht indirekt, wenn ich eine Sache wirklich toll finde und nie für Geld, aber deswegen würde ich mich nicht zu den werbern zählen.

    Bei Facebook trenne ich tatsächlich nicht so viel, aber auf Instagram habe ich zwei Accounts. Die Urlaubsbilder vom Strand muss halt wirklich nicht jeder sehen. Aber ich finde grade wenn man Freunde auf der ganzen Erdkugel verstreut hat ist das eine super Möglichkeit in Kontakt zu bleiben und zu wissen was bei den anderen so abgeht.

    • Moin Melissa,

      man muss ja nicht für irgendwelche Produkte werben, sondern kann auf seinen Accounts ja einfach für die eigenen Texte werben. Und das tut man in dem Moment, in dem man den Link teilt. Aber tatsächlich nehmen das viele nicht als Werbung wahr. Was mich persönlich wundert, aber so ist es einfach.

      Und natürlich hast du recht, im Kontakt bleiben ist ja auch der eigentliche Sinn und Zweck von Social Media. Der tritt nur leider häufig in den Hintergrund.

      LG Lexa

  • Hallo Lexa, das ist ein wichtiges Thema, das Du da ansprichst. Meiner Erfahrung nach sind aber auch jüngere Nutzer manchmal ganz schön unbedarft und unbedacht. Wenn ich sehe, wie sich die Klassenkameradinnen meiner Teenagertochter auf Instagram inszenieren, ist zwar klar, dass sie das ganz bewusst tun. Schon deswegen, weil sie auf den Bildern viel bessere Haut und ein schmaleres Gesicht haben als im wirklichen Leben.
    Dass sie mit lasziver Pose und viel nackter Haut auch „Fans“ anziehen, denen sie im echten Leben lieber nicht begegnen wollen, ist ihnen wohl eher nicht bewusst. Dass man außerdem oft einen guten Teil des Kinder- oder Badezimmers sehen kann, wäre zumindest vielen Eltern bestimmt nicht recht, wenn sie es denn wüssten. Außer vielleicht den „Werbern“, die auf ihrem Mamablog sowieso reichlich Persönliches ihrer Kinder preisgeben (das machen natürlich nicht alle Elternblogger, aber doch einige) …

    • Moin Barbara,

      hm, interessant, was du da schilderst. Die paar Teenager die ich kenne (es sind echt nicht viele), gehen da ganz anders mit um. Viel bewusster. Aber wenn du da den direkten Kontakt durch deine Tochter hast, ist es ja gut, wenn du es mitbekommst und beim eigenen Kind gegensteuern kannst, wenn es dazu kommen sollte.
      Das ist wahrscheinlich sowieso das wichtigste, wenn man Kinder hat und es um das Internet geht: Immer ein Auge drauf haben und die möglichen Konsequenzen besprechen.

      Und was die Mamablogger angeht, die das Privatleben ihrer Kinder veröffentlichen… da fange ich lieber gar nicht erst an, da werde ich nämlich wirklich wütend.

      LG Lexa