Schwarz & Ludwig: Baby Basics

"Baby Basics" von Diana Schwarz & Frauke Ludwig ist kein empfehlenswerter Elternratgeber. Nicht auf Grund des Inhalts, sondern wegen des belehrenden Untertons.
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Autorinnen: Diana Schwarz & Frauke Ludwig

Untertitel: Alles, was ihr über euer Baby wissen solltet

erschienen: Oktober 2018

238 Seiten

Preis: 22€*

Kösel Verlag

Buchrücken

Babys sind oft ganz anders, als wir erwarten – und das ist nicht schlimm, sondern genau richtig so. Dieses Buch hilft dir, dein Kind zu verstehen und für den Familienalltag Entscheidungen zu treffen, die allen gut tun. Wo das Kleine schlafen soll, ob du es stillen willst, wie viel Nähe ihr braucht und ob das Tragen zu euch passt: mit den Baby Basics findet ihr es heraus. 

Meine Meinung

Begeisterung kam beim Lesen dieses Elternratgebers leider so gar nicht bei mir auf. Das lag allerdings nicht unbedingt am Inhalt, sondern an der Art, wie dieser Inhalt präsentiert und transportiert wird.

Das Layout sagt mir gar nicht zu. Es ist größtenteils zweispaltig gestaltet und das in vielen kurzen Textblöcken. Das führt dazu, das manchmal nur drei oder vier Zeilen untereinander stehen, man dann den 4-zeiligen Testblock daneben lesen muss um dann eine über die ganze Seite gehende Zwischenüberschrift zu haben und dann wieder einen solchen Textblock. Zumindest für mich hat das die Lektüre unnötig anstrengend gemacht, da ich in keinen Lesefluss kam.

Inhaltlich habe ich nicht die Kompetenz um an den gegeben Ratschlägen rumzumeckern. Deswegen lese ich ja solche Ratgeber, da ich noch keine Ahnung von Babys und ihren Bedürfnissen habe und gerne schon vor der Geburt eine Idee davon bekommen möchte, was theoretisch auf mich zukommen wird. 

Das es dann sowieso immer anders kommt als gedacht, weiß ich. Aber das hält mich nicht davon ab, so viele Informationen zu sammeln, wie nur möglich.

Nur: Ich möchte informiert, nicht belehrt, werden.

Aber leider geschieht genau das hier. Belehrung und mit dem Zeigefinger vor der Nase rumwedeln in reinster Form. Zwar ist auch ab und zu der Satz zu lesen, dass jede Familie und jedes Baby anders ist, und man daher alle Ratschläge an seine individuelle Situation anpassen muss… aber diese Sätze kamen mir persönlich sehr scheinheilig vor.

Nicht überzeugend, wenn der Rest des Buches durch seine Formulierungen bei mir das Gefühl auslöst, dass es nur EINEN richtigen Weg gibt sein Baby zu behandeln. Diesen einen und keinen anderen. Wenn man sich für einen anderen Weg entscheidet, aus welchen Gründen auch immer, darf man das zwar, aber in den Augen der Autorinnen grenzt so ein Verhalten an Kindesmisshandlung. Je nachdem, welches der Gebote man nicht berücksichtigt.

Nicht zu stillen (bzw. nach 6 Monaten abzustillen) ist beispielsweise weniger schlimm, als das Kind im Kinderwagen zu schieben. Wer kein Familienbett möchte, sollte sich fragen, warum er überhaupt Kinder will. Brei ist eine Zumutung für Babys und man soll sich nicht wundern, wenn das Kind beim Essen erstickt. Und wer sein Kind an einen festen Tagesrhythmus mit Essens- und Schlafenszeiten (gar noch im eigenen Bett!) gewöhnen will, der lebt sowieso hinterm Mond und hat den Schuss nicht gehört. Unmöglich so eine Vorstellung und allein der Versuch gehört bestraft.

Dieses Gefühl wurde bei mir erzeugt, während ich das Buch las. Ein schlechtes Gewissen eintrichtern, wenn man auch nur einen Gedanken daran verschwendet etwas anders zu machen, als Diana Schwarz und Frauke Ludwig es für richtig halten.

Das brauche ich nicht! Das will ich nicht! 

Mein Kind ist noch nicht mal auf der Welt und schon wird mir das Gefühl gegeben sowieso alles nur falsch machen zu können. Wir haben noch nicht entschieden, wie unser Alltag aussehen wird. Das können wir auch gar nicht entscheiden, denn das Baby wird alles auf den Kopf stellen und uns schon dazu bringen es so zu behandeln, wie es es will. Zum Beispiel, ob es sich wohler im Kinderwagen oder im Tragetuch fühlt. Das werden wir merken, da brauch ich niemanden, der mit dem Finger auf mich zeigt, wenn ich nicht den ganzen Tag das Tuch nutze, sondern das Baby auch mal ganz bequem von den Großeltern im Kinderwagen durch die Landschaft kutschieren lasse.

"Baby Basics" von Diana Schwarz & Frauke Ludwig ist kein empfehlenswerter Elternratgeber. Nicht auf Grund des Inhalts, sondern wegen des belehrenden Untertons.

Insgesamt kann ich diesen Elternratgeber, ganz anders als „Entspannte Eltern“ also absolut nicht empfehlen. Wie gesagt nicht wegen dem, was empfohlen wird, sondern allein wegen der Art der Empfehlung. Ich denke schon, dass in diesem Buch viel wahres steht. Das die Hinweise und Erklärungen für kindliches Verhalten begründet und nicht aus der Luft gegriffen sind. Ich glaube auch, dass diese Art der Erziehung, bindungs- und beziehungsorientiert, für viele Familie der richtige Weg ist.

Ob er es für uns ist, wird sich herausstellen. Vielleicht etwas abgeschwächt, etwas „altmodischer“. Aber das wird die Zeit zeigen. Dieses Buch hat mich zumindest nicht dazu gebracht, die darin propagierten Weisheiten als einzig Wahre anzunehmen. Dafür ist es einfach zu belehrend.

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