Warum eine Schwangerschaft eine Krankheit ist

Eine Schwangerschaft ist eine Krankheit! Manchmal mit sehr wenig Nebenwirkungen, aber manchmal auch mit sehr starken. Schwangere brauchen daher Verständnis und Unterstützung.

Ui, ich sehe die gerunzelten Stirnen und zum Widerspruch aufgehenden Münder schon direkt vor mir. Zu sagen, dass eine Schwangerschaft eine Krankheit ist, scheint ein Tabu zu sein. Zumindest habe ich folgendes in den letzten Monaten und Wochen viel öfter gelesen und gehört als die gegenteilige Behauptung:

„Manche Schwangere stellen sich aber auch an! Die sind doch nur schwanger und nicht krank.“

Und auch ich habe am Anfang der Schwangerschaft, das eine oder andere mal gesagt (als mich die Fürsorge der Familie dezent nervte…):

„Nun lass mich mal machen. Ich bin schließlich schwanger und nicht krank.“

Aber ich habe mich geirrt. Ich wusste noch nicht, was genau auf mich zukommt und ich hatte noch nicht mit anderen Schwangeren gesprochen. Mittlerweile weiß ich, eine Schwangerschaft kann mit vielen Nebenwirkungen und krankhaften Symptomen einhergehen. Sie muss es nicht, aber sie kann.

Eine Schwangerschaft ist demnach eine Krankheit, die von ganz leicht bis ganz schwer reichen kann. Etwas Mitgefühl und Verständnis haben jedoch alle Schwangeren verdient, denn ein schwangerer Körper leistet so oder so Schwerstarbeit. 40 Wochen lang!

Eine Schwangerschaft ist eine Krankheit! Manchmal mit sehr wenig Nebenwirkungen, aber manchmal auch mit sehr starken. Schwangere brauchen daher Verständnis und Unterstützung.

Fall A: Rundum glücklich!

Der Idealfall sieht so aus: Die Schwangerschaft ist geplant und gewollt und verläuft komplett ohne Komplikationen. Keine Übelkeit, kein Sodbrennen, der Bauch wächst und das Baby gedeiht. Die schwangere Person fühlt sich die gesamte Zeit wohl in ihrem Körper. Das heranwachsende Kind wird nicht als Fremdkörper empfunden, die Bewegungen werden herbeigesehnt und als angenehm empfunden.

Finanzielle Sorgen sind nicht vorhanden und es gibt ein starkes Netzwerk aus Familie und Freunden, die sich schon darauf freuen die neue Familie tatkräftig zu unterstützen.

Das Kind begibt sich rechtzeitig in die richtige Geburtslage und die Geburt verläuft relativ zügig und ohne Probleme. Am Ende der wunderbaren 40 Wochen halten die neuen Eltern einen bezaubernden und kerngesunden Säugling in den Händen. Geburtsverletzungen gab es nicht.

Jeder Mensch mit Gebärmutter wünscht sich genau eine solche Schwangerschaft. In diesem Fall ist der Krankheitsverlauf sehr leicht, nahezu nicht vorhanden. Einzig die häufigen Kontrolluntersuchungen beim Frauenarzt erinnern daran, dass es theoretisch auch anders sein könnte.

Eine Schwangerschaft ist eine Krankheit! Manchmal mit sehr wenig Nebenwirkungen, aber manchmal auch mit sehr starken. Schwangere brauchen daher Verständnis und Unterstützung.

Fall B: Eigentlich ist alles gut, aber…

Der Idealfall ist tatsächlich sehr selten, denn irgendwelche Nebenwirkungen gibt es immer. Am Anfang der Schwangerschaft kann es lähmende Müdigkeit sein. Oder die berühmte „Morgenübelkeit“, die bei vielen übrigens den ganzen Tag anhält. Später kommt Sodbrennen dazu, oder Atemnot. Der wachsende Bauch stört und behindert jede Bewegung. Der Rücken schmerzt, Hände und Füße schwellen an.

Die Müdigkeit geht und kommt nach ein paar Monaten wieder. Die Hormone spielen verrückt und sorgen für Stimmungsschwankungen.

Viele fühlen sich unwohl im eigenen Körper. Die Bewegungen des Kindes sind einerseits schön und es wird sich über sie gefreut, denn sie zeigen, dass es dem Lebewesen in einem gut geht, aber andererseits ist es schon befremdlich, wenn die eigene Bauchdecke von innen zum Wackeln gebracht wird.

Eigentlich geht es der bald gebärenden Person gut, sie mag sich nicht so richtig beklagen, aber … anstrengend und nervenzehrend ist diese Zeit schon. Hinzu kommt oft eine seelische Belastung durch finanzielle Sorgen, allgemeine Gedanken über die Zukunft, das Gefühl es eh nicht richtig machen zu können, weil immer irgendjemand einem sagt, wie es noch besser geht.

Das Baby lässt sich bis zum letzten Moment Zeit in die richtige Geburtslage zu rutschen. Ein Kaiserschnitt steht lange im Raum. Die Geburt selbst verläuft dann komplikationslos, aber die Geburtsverletzungen schmerzen noch lange nach.

Nebenwirkungen und Symptome waren in den 40 Wochen vorhanden, eine Einschränkung des normalen Lebens auch, aber es war alles gut ertragbar. Es gab schließlich ein Ziel, für das man die Schmerzen und die Anstrengung auf sich nahm: Den Säugling, der jetzt zur Familie gehört.

Eine Schwangerschaft ist eine Krankheit! Manchmal mit sehr wenig Nebenwirkungen, aber manchmal auch mit sehr starken. Schwangere brauchen daher Verständnis und Unterstützung.

Fall C: Wann ist es endlich vorbei?

  • Risikoschwangerschaft.
  • Eine „Morgenübelkeit“, die die gesamte Schwangerschaft anhält. Mehrere Krankenhausaufenthalte, da nicht mal mehr Wasser drin behalten werden kann.
  • Eine Schwangerschaftsdiabetes.
  • Tägliches Spritzen von Blutverdünner auf Grund einer Thrombose am Anfang der Schwangerschaft.
  • Starke Kreislaufprobleme auf Grund des erhöhten Blutvolumens.
  • Ein starker Symphysenschmerz, der jede Bewegung zur Qual macht.
  • Strikte Bettruhe, da die Gefahr einer Fehlgeburt besteht.
  • Die Schwangerschaft endet mit einer Operation (Kaiserschnitt).

Die Möglichkeiten der schweren Symptome und krankhaften Nebenwirkungen ist lang und vielfältig. In diesen Fällen ist die schwangere Person tatsächlich krank. Die Einschränkungen im Alltag sind erheblich und das eigene Leben wird schon vor der Geburt des Kindes komplett auf den Kopf gestellt. Glücklicherweise ist es nicht der Normalfall und die Freude, wenn das Kind dann endlich auf der Welt ist, ist riesig. 

Manchmal verläuft die Schwangerschaft körperlich problemlos, aber die Psyche leidet. Der Kopf kommt mit den Veränderungen des Körpers nicht klar, die Schwangerschaft war vielleicht nicht gewollt oder die Hormone sorgen dafür, dass alte Probleme wieder an die Oberfläche gelangen. Auch in diesen Fällen ist von einer Krankheit, ausgelöst durch die Schwangerschaft, zu sprechen.

Eine Schwangerschaft ist eine Krankheit! Manchmal mit sehr wenig Nebenwirkungen, aber manchmal auch mit sehr starken. Schwangere brauchen daher Verständnis und Unterstützung.

Ihr seht, nur weil eine Schwangerschaft in den meisten Fällen willentlich und freiwillig herbeigeführt wird, muss es der schwangeren Person nicht gut dabei gehen. Es muss ihr auch nicht wirklich schlecht gehen, aber die meisten Schwangeren haben ihr Päckchen zu tragen. 

Eine Schwangerschaft bedeutet 40 Wochen lang nicht über den eigenen Körper zu herrschen. Nichts zu sagen zu haben. Die Führung übernimmt das Wesen, das in einem heran wächst. Man muss sich dessen Rhythmus beugen und kann oft nicht so handeln, wie man eigentlich möchte. Die Einschränkungen sind enorm, auch dann, wenn es einem gut geht.

Irgendwie tut man es gerne, man findet es gar nicht unbedingt schlimm, denn schließlich wartet am Ende des Weges eine bezaubernde Belohnung auf einen, aber Verständnis von Freunden und Familien kann einem diesen Weg erheblich erleichtern.

Und mehr möchte ich mit diesem Beitrag gar nicht erreichen. Nur ein wenig mehr Verständnis für Schwangere; die im Bus einen Sitzplatz möchten, die kurzfristig eine Verabredung absagen, die sich aus gesellschaftlichen Aktivitäten rausziehen, da sie erstmal mit sich selbst klar kommen müssen und die manchmal auf die Frage: „Wie geht es dir?“ ganz ehrlich antworten und sagen: „Heute so richtig besch***!“

Eine Schwangerschaft ist eine Krankheit! Manchmal mit sehr wenig Nebenwirkungen, aber manchmal auch mit sehr starken. Schwangere brauchen daher Verständnis und Unterstützung.

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8 Kommentare
  • Ein Artikel, über den es sich nachzudenken lohnt. Ich habe noch nie wirklich verstanden, wem und warum sich schwangere Frauen beweisen müssen, dass eine Schwangerschaft ein Klacks ist, den man mit links wegsteckt und der nur aus Positivität und Fluff und Rosa besteht. Ganz besonders erschreckend finde ich es, wie Hollywood-Stars schon kurz nach der Geburt ihrer Kinder wieder rank und schlank und fit im Rampenlicht stehen und die vergangenen 10 Monate scheinbar vergessen machen. Ist das ein sozialer Druck, der da auf den Frauen lastet oder ist das eine Art Selbstbehauptung nach dem Motto „Ja, wir fühlen uns schlecht, aber wir lassen es uns nicht anmerken, weil man uns sonst als noch schwächer wahrnimmt“? Fragen über Fragen. Aber wie gesagt, ein interessanter Artikel, der zum Nachdenken anregt. Und Nachdenken mögen wir doch alle gern, oder? 🙂

    • Moin,

      soweit ich meine Erfahrungen und Gespräche der letzten Monate verallgemeinern kann, ist es tatsächlich die Selbstbehauptung, die dazu führt die Schwangerschaftsbeschwerden runterzuspielen. Einmal um die Außenwirkung nicht zu zerstören (wenn keiner ausspricht, wie schwer es ist, ist es schwer diesen Kreislauf zu durchbrechen), aber andererseits auch, um die Zeit für einen selbst besser ertragbar zu machen. Nach dem Motto: „Wenn ich mich nicht zu sehr beschwere, ist es auch gar nicht so schlimm.“

      Manchmal möchte man auch nicht drüber sprechen und sich lieber mit anderen Themen beschäftigen um sich abzulenken. Aber wenn man einmal zugegeben hat, dass es einem schlecht geht, geht es schnell in jedem Gespräch nur noch darum. Das kann Kraft kosten. Da sagt man lieber „alles gut“ und hat dafür auch andere Gesprächsthemen mit Freunden, da sich keiner Sorgen macht.

      Die Promi-Schwangerschaften sind wieder ein ganz anderes Thema. Es ist ihr Job genau dieses Bild zu erzeugen. Das macht es „normalen“ Menschen nicht einfacher, aber wer sich einen Promi als Vorbild nimmt, ist selbst schuld… 😉

      LG Lexa

  • Ich hab am Anfang meiner Schwangerschaft auch oft über diesen Satz nachgedacht und mir selbst immer wieder eingeredet „du musst das schaffen, andere haben es auch geschafft und schließlich bist du nicht krank sondern schwanger“. Aber so hat es sich nicht angefühlt sondern wirklich wie eine Krankheit. Es hat lang gedauert herauszufinden wie ich meinen Körper helfen und ihn unterstützen kann. Von Kollegen und anderen Müttern wurde ich immer nur belächelt. Das hat mich traurig und auch oft wütend gemacht. Jeder Körper ist anders, jede Frau ist anders und vor allem auch jede Schwangerschaft. Mein Körper hat mir ein Stoppschild im Sinne von Vorwehen in der 21. SSW vor den Kopf geknallt. Ab den Moment hab ich es endlich geschnallt. Hör auf deinen Körper alles andere ist egal.

    • Moin Dany,

      21. SSW ist definitiv zu früh für Vorwehen. Gut, dass du die Notbremse gezogen hast und jetzt auf deinen Körper hörst.

      Du hast recht, jede Schwangerschaft ist anders. Und niemand, der nicht schon selbst schwanger war, kann sich vorstellen, wie es ist. Man denkt vorher, man weiß in etwas was auf einen zukommt, aber das stimmt einfach nicht.
      Daher sollte man die Meinung von anderen einfach ignorieren. Auch, wenn das nicht immer einfach ist. Nur man selbst steckt im eigenen Körper.

      Ich wünsche dir alles Gute für deine restliche Schwangerschaft <3

      LG Lexa

  • Ich möchte Danke sagen. Für den Text und die Kommentare. Genau aus dem Grund, dass Schwangerschaft immer so flauschig blumig dargestellt wird und man sich dadurch unter Druck setzen lässt, habe ich möglichst alle wissen lassen, was alles anstrengend ist für mich an der Schwangerschaft – auf die Gefahr hin, als Mimose gesehen zu werden.

    Was mir tatsächlich geholfen hat, ist tatsächlich Zuckerverzicht. Das hat zumindest die meisten Probleme verbessert, vor allem aber meine Launen und meine Depression haben sich sehr gebessert.
    In der Hoffnung, dass mein Kommentar wenigstens einer Frau hilft 🙂

    • Und ich sage danke für den Kommentar 🙂

      Zuckerverzicht ist immer einen Versuch wert. Schaden kann es zumindest nicht. Und wenn es dir wirklich geholfen hat, ist das super.

      LG Lexa

      • Es ist so schwer etwas zu sagen, weil wir Schwangeren funktionieren müssen. Ich hatte in meiner zweiten Schwangerschaft so mit Übelkeit und Müdigkeit zu tun, dass ich es kaum schaffte, mein großes Kind für die Kita fertig zu machen, geschweige denn es länger als 2 Stunden am Nachmittag zu betreuen. Selbst mir etwas zu Essen zu machen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Ich muss nicht erwähnen, dass der Haushalt natürlich komplett liegen blieb. Der Antrag bei der Krankenkasse auf eine Haushaltshilfe wurde mit der Begründung abgelehnt, dass viele Schwangere mit Übelkeit zu kämpfen hätten und dies kein Grund für eine Haushaltshilfe sei… So bleibt uns nichts anderes übrig, als weiterzumachen. Traurig.

        LG und Daumen drück, dass sich irgendwann was ändert

        • Moin Katharina,

          wenn es das zweite Kind ist, ist die Situation natürlich noch mal anstrengender. Man will ja sicherlich beiden Kindern gerecht werden. Das du keine Haushaltshilfe bekommen hast, ist da echt eine Frechheit. Bisher habe ich glücklicherweise nur anderes gehört; dass die Haushaltshilfen schnell und unkompliziert bewilligt werden, da sich so wenige dazu entschließen den Antrag zu stellen und lieber auf Hilfe aus der Familie zurückgreifen.

          Ändern kann sich nur was, wenn es allgemein akzeptierter wird, dass es halt nicht jeder Schwangeren super geht. Und da hilft nur drüber reden. Also danke für deinen Kommentar.

          LG Lexa